Tönung

Wie Patina bei Morgan Dollars entsteht

Warum manche Silberdollars bunt werden, wie die Farben entstehen und warum man getonte Münzen niemals reinigt.

Morgan Dollar von 1884 im PCGS-Halter mit kräftiger Tönung: goldene, violette und blaue Farbtöne laufen vom Rand zur Mitte über das Porträt
Farbige Tönung an einem Morgan Dollar. Die Farben entstehen nicht durch Farbe, sondern durch eine hauchdünne Schicht auf der Silberoberfläche.

Manche Morgan Dollars sehen aus, als hätte jemand sie angemalt: Gold am Rand, dann Violett, dann ein tiefes Blau. Sammler nennen das Tönung, im Englischen toning. Manche zahlen dafür deutlich mehr als für ein technisch besseres, aber unauffälliges Stück. Andere finden es störend. Beides ist legitim, und beides wird verständlicher, wenn man weiß, was da eigentlich passiert.

Tönung ist eine chemische Reaktion

Silber reagiert mit Schwefelverbindungen aus seiner Umgebung. Dabei bildet sich auf der Oberfläche eine sehr dünne Schicht Silbersulfid. Das ist genau derselbe Vorgang, der Silberbesteck im Schrank dunkel werden lässt. Bei einer Münze ist diese Schicht am Anfang nur wenige Millionstel Millimeter dick.

Der Schwefel kommt aus ganz alltäglichen Dingen: aus Papier und Pappe, aus Klebstoffen, aus Albumseiten und, im Fall der Morgan Dollars, aus den Leinensäcken, in denen die Münzen jahrzehntelang in Banktresoren lagerten. Deshalb spricht man bei diesen Stücken oft von bag toning. Münzen, die außen im Sack lagen, haben häufig kräftige Farben, Münzen aus der Mitte des Sacks sind oft blank geblieben.

Woher die Farben kommen

Die Farben entstehen durch ein Phänomen, das man Dünnschichtinterferenz nennt. Licht trifft auf die Schicht, ein Teil wird an der Oberfläche zurückgeworfen, ein Teil erst am Silber darunter. Beide Anteile überlagern sich, und je nach Dicke der Schicht verstärken oder schwächen sich bestimmte Wellenlängen. Dasselbe sehen Sie an einem Ölfilm auf einer Pfütze oder an einer Seifenblase.

Weil die Farbe direkt von der Schichtdicke abhängt, folgt sie einer Reihenfolge. Sehr dünne Schichten wirken gelblich, dann kommen Orange und Rot, danach Magenta, Blau und Grün. Wächst die Schicht weiter, wird die Münze am Ende matt grau bis schwarz. Eine Münze mit einem vollen Farbverlauf zeigt also, dass die Schicht über die Fläche unterschiedlich dick gewachsen ist.

Gewachsen oder gemacht

Weil bunte Stücke gesucht sind, gibt es auch beschleunigte Tönung. Mit Hitze, Chemikalien oder Schwefelquellen lässt sich der Vorgang in kurzer Zeit erzwingen. Im Sammlerjargon heißt das artificial toning. Die Bewertungsdienste achten darauf und kennzeichnen zweifelhafte Fälle entsprechend oder nehmen die Münze nicht an.

Ganz eindeutig ist die Grenze allerdings nicht. Erzwungene Tönung sieht oft zu gleichmäßig aus, hat unnatürliche Farbübergänge oder liegt auch dort, wo eine Münze im Sack nie Kontakt gehabt hätte. Ein sicheres Urteil aus einem Foto ist trotzdem schwer. Wer auf Tönung Wert legt, ist mit einem bewerteten Stück deshalb besser bedient als mit einem losen.

Bitte nicht putzen

Das ist der wichtigste Satz dieses Beitrags. Eine getonte Münze zu reinigen zerstört mehr als die Farbe. Jedes Poliermittel und jedes Tuch nimmt Metall von der Oberfläche mit und hinterlässt feine Kratzer, die unter Licht sichtbar bleiben. Eine gereinigte Münze erkennt ein Fachmann sofort, und die Bewertungsdienste weisen das aus.

Der wirtschaftliche Schaden ist erheblich, der numismatische ist endgültig. Wenn Sie eine geerbte Sammlung vor sich haben und unsicher sind: nichts anfassen, nichts reinigen, erst fragen. Das kostet nichts und rettet im Zweifel den Wert.

Wie man solche Stücke aufbewahrt

Bewertete Münzen sind im Halter schon gut geschützt, luftdicht ist er allerdings nicht. Empfehlenswert ist ein trockener, kühler Platz ohne große Temperaturschwankungen, ohne direktes Sonnenlicht und ohne Papier oder Pappe in direktem Kontakt. Wer Halter stapelt, sollte sie nicht aneinander reiben, weil die Kunststoffflächen dabei matt werden.

Bei losen Münzen gilt: nur am Rand anfassen, am besten mit Baumwollhandschuhen, und niemals über einer harten Fläche hantieren. Ein einziger Sturz auf den Schreibtisch kann eine Bewertung um mehrere Stufen kosten.

Was Tönung für den Preis bedeutet

Hier wird es unübersichtlich, und ich sage das offen: Für Tönung gibt es keine Preistabelle. Die Zuschläge, die auf Auktionen für auffällig getonte Stücke gezahlt werden, schwanken stark und hängen daran, wie attraktiv die Farben im Einzelfall wirken. Eine gleichmäßig graue Tönung senkt den Wert eher, ein kräftiger Farbverlauf kann ihn deutlich anheben.

Wenn Sie gezielt ein getontes Stück suchen, brauche ich also mehr als eine Bewertungsstufe: eine Beschreibung, welche Farben Sie mögen, und Ihre Bereitschaft, auf ein passendes Angebot zu warten. Genau dafür ist der Suchservice gedacht.

Vom Lesen zum Sammeln

Im eBay-Shop sehen Sie, welche Stücke gerade verfügbar sind. Suchen Sie etwas Bestimmtes, übernehme ich die Suche in den USA.