Was MS64 auf dem Etikett bedeutet
Die Skala von 1 bis 70, die Kürzel MS, AU und PR, der Unterschied zwischen MS63 und MS65 und warum Sie jede Zertifikatsnummer prüfen sollten.
Wer zum ersten Mal eine gegradete US-Münze in der Hand hält, liest auf dem Etikett eine Zeile wie 1884-CC PCGS MS64. Der Jahrgang ist klar, das CC steht für die Prägestätte. Aber MS64? In diesem Beitrag steht, woher diese Zahl kommt, was sie aussagt und was sie ausdrücklich nicht aussagt.
Warum Münzen überhaupt bewertet werden
Der Zustand einer Sammlermünze entscheidet über einen großen Teil ihres Preises. Zwei Morgan Dollars aus demselben Jahr und derselben Prägestätte können sich im Wert deutlich unterscheiden, wenn einer davon Jahrzehnte im Umlauf war und der andere nicht. Solange jeder Verkäufer den Zustand selbst beschreibt, ist das für Käufer schwer zu prüfen.
Genau dafür gibt es Bewertungsdienste. Sie prüfen die Echtheit, beurteilen den Zustand nach festen Kriterien und schweißen die Münze anschließend in einen durchsichtigen Halter ein, den Sammler Slab nennen. Auf dem Etikett im Halter stehen die Angaben zur Münze und eine Nummer. Die beiden großen Anbieter für US-Münzen sind PCGS, das es seit Mitte der 1980er Jahre gibt, und NGC, gegründet 1987.
Die Skala von 1 bis 70
Die Zahl auf dem Etikett gehört zur sogenannten Sheldon-Skala. Der US-Numismatiker William Sheldon stellte sie 1949 für frühe amerikanische Cent-Münzen auf. Sie reicht von 1 bis 70, wobei 1 eine Münze bezeichnet, auf der kaum noch etwas zu erkennen ist, und 70 ein Stück ohne jeden sichtbaren Fehler. Die Bewertungsdienste haben diese Skala später für alle US-Münzen übernommen.
Vor der Zahl steht immer ein Kürzel, das die Gruppe angibt. Diese Kürzel sind wichtiger als die Zahl, weil sie den grundlegenden Unterschied machen:
- MS 60 bis 70, Mint State. Die Münze war nie im Umlauf. Sie kann Kratzer und Berührungsspuren aus der Produktion haben, aber keine Abnutzung durch Gebrauch.
- AU 50 bis 58, About Uncirculated. Nur an den höchsten Stellen des Reliefs sind leichte Umlaufspuren zu sehen.
- XF oder EF, VF, F, VG, G und darunter. Von deutlich sichtbarer Abnutzung bis zu Stücken, bei denen nur noch Umrisse erkennbar sind.
- PR oder PF, Proof. Keine Zustandsangabe im engeren Sinn, sondern eine besondere Prägeart mit polierten Stempeln.
Was MS63 von MS65 unterscheidet
Innerhalb von Mint State liegen die Unterschiede in Details, die man erst mit Übung sieht. Beurteilt werden vor allem drei Dinge: wie viele Berührungsspuren die Oberfläche hat, wo diese Spuren liegen, und wie kräftig der ursprüngliche Prägeglanz noch ist.
Ein MS63 hat meist mehrere sichtbare Marken, oft auch im Gesicht oder auf der Wange, weil dort das Auge sofort hinsieht. Bei MS65 sind die Spuren weniger und liegen an unauffälligen Stellen. Der Sprung von MS64 auf MS65 ist bei Morgan Dollars deshalb oft der teuerste Schritt der ganzen Skala. Nach oben wird es dann sehr schnell sehr teuer, weil hochwertige Stücke selten sind.
Wichtig zu wissen: Die Bewertung ist ein fachliches Urteil, keine Messung. Zwei Fachleute können bei derselben Münze zu verschiedenen Zahlen kommen. Deshalb streiten Sammler auch gern darüber, ob ein Stück zu streng oder zu großzügig bewertet wurde.
Zusätze auf dem Etikett
Hinter der Bewertung finden Sie manchmal weitere Kürzel. Bei Morgan Dollars sind zwei besonders verbreitet. PL steht für Prooflike, also spiegelnde Flächen, die an eine Proof-Prägung erinnern. DMPL oder DPL steht für Deep Mirror Prooflike, eine noch stärkere Spiegelung. Solche Stücke wirken in der Hand völlig anders als eine normale Prägung und werden entsprechend gesucht.
Manche Halter tragen zusätzlich einen kleinen Aufkleber der Certified Acceptance Corporation, kurz CAC. Er bedeutet, dass ein weiteres Unternehmen die Münze innerhalb ihrer Bewertung als überdurchschnittlich einstuft. Ein solcher Aufkleber wirkt sich auf den Preis aus, ist aber kein Ersatz für einen eigenen Blick auf die Münze.
Die Nummer selbst prüfen
Auf jedem Etikett steht eine Zertifikatsnummer, meist mit Strichcode. Beide Dienste bieten auf ihren Websites eine Abfrage an, mit der Sie diese Nummer nachschlagen können. Dort sehen Sie, welche Münze mit welcher Bewertung hinter der Nummer steckt, bei vielen Einträgen auch Fotos.
Das ist ein Punkt, den ich jedem Käufer empfehle: Nummer eingeben, Angaben vergleichen, Fotos anschauen. Sie sind damit nicht auf die Beschreibung des Verkäufers angewiesen, und zwar unabhängig davon, bei wem Sie kaufen.
Was eine Bewertung nicht leistet
Eine Bewertung sagt etwas über Echtheit und Zustand. Sie sagt nichts über einen angemessenen Preis und noch weniger über eine künftige Entwicklung. Was ein MS64 kostet, hängt von Jahrgang, Prägestätte, Nachfrage und vom Aussehen des einzelnen Stücks ab. Zwei Münzen mit derselben Zahl auf dem Etikett können sich im Preis unterscheiden, weil eine davon einfach attraktiver aussieht.
Deshalb gilt bei mir die Regel: Die Bewertung ist der Ausgangspunkt für ein Gespräch, nicht das Ende. Wenn Sie ein Stück suchen, gehe ich Erhaltung, Aussehen und Preis mit Ihnen durch.